Kreislaufwirtschaft und Digitalisierung – die Innovationstagung 2020

Foto: Pixabay / Michael Jarmoluk

Bei der Innovationstagung des ITG – Innovationsservice für Salzburg am 15.10.2020 zeigten Unternehmen aus Westösterreich, wie KMU Digitalisierung angehen und wie es ihnen und ihren Mitarbeiter/innen dabei geht. Die Veranstaltung ging im ORF Publikumsstudio über die Bühne und war via Live-Stream verfügbar.

Digitalisierung ist schon lange nicht mehr bezogen nur auf Technik. Digitalisierung umfasst sämtliche Prozesse im Unternehmen, sie stößt Innovation an“, sagte Landesrätin Andrea Klambauer zu Beginn der Tagung. „Es ist uns ein Anliegen, dass Unternehmen die Rahmenbedingungen vorfinden, die sie brauchen, damit sie ihre täglichen Herausforderungen meistern und gleichzeitig Innovation betreiben können.“

Dafür hat das Land Salzburg bereits 2018 die Förderaktion Salzburg.Digital für die Unternehmen im Bundesland beschlossen, die gerade auch jetzt in Covid-19-Zeiten ein Erfolgsmodell ist. „Bis heute sind um die 150 Förderanträge eingelangt, wobei die Förderentscheidungen zum größten Teil getroffen wurden“, erläutert Landeshauptmann Wilfried Haslauer. „Gelder von über 2,5 Millionen Euro wurden im Rahmen dieser Förderung den Unternehmen zugesagt.“ Damit werden um die 15 Millionen Euro an Investitionen in den Unternehmen ausgelöst (Infos zu Förderung und Digitalisierung auch unter www.digitalsalzburg.at).

Darüber hinaus gibt es ein Bündel an Unterstützungsleistungen, die Qualifizierungen oder die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen einschließen. Eines dieser Angebote ist der Digital Innovation Hub (DIH) West, in dem die Kompetenzen von Einrichtungen aus Salzburg, Vorarlberg und Tirol für die in Westösterreich ansässigen Unternehmen zusammengefasst werden. „Die meisten Unternehmen wissen, dass sie hinsichtlich Digitalisierung etwas tun müssen. Noch immer haben viele davon aber noch keinen Schlachtplan, wie sie vorgehen. Mit dem DIH West und den Unterstützungs- und Beratungsleistungen, die wir im ITG – Innovationsservice für Salzburg anbieten, können wir die Unternehmen ein Stück weit an die Hand nehmen und ihnen Trittsicherheit verschaffen“, erklärt Walter Haas, Geschäftsführer des ITG – Innovationsservice für Salzburg.

Bedeutung von Digitalisierung für Betriebe

„Für jedes Unternehmen gilt: Digitalisierung ist wichtig und zwar spätestens ab sofort“, stellte Matthias Poldlehner, Projektleiter Energie und Umwelt bei Moldan Baustoffe fest. Zusammen mit weiteren Vertreter/innen von Unternehmen aus Westösterreich war er zu Gast bei der Innovationstagung des ITG – Innovationsservice für Salzburg, die am 15.10. on- und offline über die Bühne ging. Im Falle des Unternehmens Moldan gab es schon auch eine gewissen Notwendigkeit für die Digitalisierung: Die Anlagen, die zum Beispiel das Brennen von Gips steuern, sind historisch gewachsen und stammen daher aus den 80er und 90er Jahren, die Technik dazu ebenso. Die Anzeige, die derzeit aus vielen Stellschrauben wie Lämpchen und Rädchen besteht, erfordert tiefgehendes Know-how und viel Erfahrung beim Techniker. Sollten Ersatzteile benötigt werden, wird es in diesem Alter ebenfalls schon schwierig. Im aktuell laufenden Digitalisierungsprozess wird das alles auf neue Beine gestellt. Am Ende der Umstellung sollen alle Vorgänge auf einem Bildschirm zusammengefasst werden. Erste Erfolge sind bereits sichtbar: „Gips ist ein natürlicher Rohstoff und unterliegt dadurch Schwankungen. Durch die Digitalisierung haben wir nun viele Daten zum Ausgangsmaterial, die wir vorher nicht hatten“, sagt Matthias Poldlehner. Das führt unter anderem zu exakterer Druck- und Temperaturregelung.

Im Pongauer Holzbaubetrieb Holzbau Maier setzt man schon länger auf Digitalisierung in der Produktion. Geschäftsführerin Birgit Maier wollte jedoch weiter gehen. „Wir haben mit einem hausinternen Vortrag mit dem Motto ‚Holzbau Maier – Zurück in die Zukunft‘ gestartet. Aus dem heraus haben wir intern mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Arbeitsgruppen gegründet, um herauszuarbeiten, welche Themen sinnvoll für die Digitalisierung sind.“ Mittlerweile kann ein Mitarbeiter alleine ein Haus aufmessen und Poliere direkt auf der Baustelle alle aktuellen Daten zum jeweiligen Bauprojekt einsehen. Dabei waren vor allem die Jungen eine Triebkraft: „Ihnen kann es nicht schnell genug gehen“, sagt Maier dazu. In beiden Betrieben waren die älteren Mitarbeiter/innen oftmals die Skeptischeren, haben sich am Ende dann aber über die praktischen digitalen Helferlein gefreut.

Das kann auch Poldlehner bestätigen: „Der größte Effekt ist, dass es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern taugt. Auch bei uns kann es Vielen nicht schnell genug gehen. Da wir aber nicht produzieren und gleichzeitig alle Anlagen umstellen können, gehen wir Schritt für Schritt vor.“

Was der richtige Schritt in die Digitalisierung ist, hängt vom Betrieb ab. Empfohlen wurden auch externe Coaches, die den Digitalisierungsprozess neben dem Alltagsgeschäft im Blick behalten können. Wer in die Digitalisierung einsteigen möchte, kann sich in einem ersten Schritt auch beim ITG – Innovationsservice für Salzburg melden, das hier eine erste Hilfestellung und Förderberatung zu solchen Projekten leisten kann. Für Salzburger Unternehmen ist diese Leistung kostenlos.

Ist Kreislaufwirtschaft für Unternehmen geeignet?

Eine zweite Säule der Innovationstagung war die Kreislaufwirtschaft. „Kreislaufwirtschaft und Wirtschaftlichkeit müssen unter einen Hut gebracht werden, damit das für Unternehmen funktioniert“, sagt Franz Huber, Professor für Innovationsmanagement an der Privatuniversität Schloss Seeburg. „Ideen aus technischen Abteilungen gab es schon viele. Die meisten sind gescheitert, weil die Menschen nicht bereit waren, dafür zu zahlen.“ Die Conclusio: „Grün“ zu sein allein reicht nicht, um für die Kundschaft interessant zu sein. Es muss ein praktischer Mehrwert gestiftet werden.

Auch die Geschäftsmodelle müssen darauf ausgelegt werden, die eigenen Ressourcen wieder zurückzuerhalten. „Das geht auch bei ganz kleinen Bauteilen“, meinte Rainer Pamminger, Forscher am Institut für Konstruktionswissenschaften und Technische Logistik an der TU Wien. „Wir haben gebrauchte Smartphones, die eine viel längere Lebensdauer als Produktdauer haben, zurückgeholt, entlötet und kleine Komponenten wieder nach China geschickt. Die daraus neu entstandenen Modelle funktionieren einwandfrei.“

 

Dieser Original-Text stammt aus itg-salzburg.at (veröffentlicht am 16.10.2020).
Den Original-Text finden Sie unter https://www.itg-salzburg.at/topics/innovationstagung-2020-digitalisierung-bei-salzburger-betrieben?lang=DE