5 Mythen des Innovationsmanagements – Teil 1

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Was ist der Unterschied zwischen einer kreativen Idee, einer genialen Erfindung und einer erfolgreichen Innovation? Eine Idee ist ein strukturiert gefasster Gedanke, der vielleicht zu einer erstmaligen Umsetzung und somit Erfindung führt. Ob diese Idee jedoch über die Umsetzung hinaus auch wirtschaftlichen Erfolg hat, definiert, ob sie als Innovation betitelt werden kann. Gerade im Kontext der Digitalisierung fragen sich viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU), wie sie in der Entwicklung und Realisierung ihrer Ideen besser werden können. Dabei geht es nicht nur darum Ideen in marktfähige Lösungen zu überführen, sondern auch das Thema „Innovation“ systematisch im Unternehmen zu verankern. Für KMU ist es wichtig zu wissen, dass Innovationen meistens nicht zufällig passieren und nicht notwendigerweise ein großes Budget erfordern.

Wir möchten darum den gängigsten Mythen rund um das Thema Innovationsmanagement auf den Grund gehen und in einigen kurzen Beiträgen kritisch unter die Lupe nehmen.

Mythos 1: Man muss immer der Erste am Markt sein

Bei „innovativen“ Unternehmen denkt man meist zuerst an große bekannte Namen wie Apple, Philips, Tesla, Nestlé oder Amazon. Sie haben mit ihren Produkten und Dienstleistungen als Pioniere ganze Märkte und Produktfamilien begründet. Aufgrund ihrer schieren Größe können sie bei Innovationsressourcen aus dem Vollen schöpfen und ihre Ideen als Erster am Markt umsetzen. Angesichts dieser „Innovationsmacht“ stellen sich viele KMU die Frage, wie sie da überhaupt mithalten können.

Doch schaut man etwas genauer hin stellt man schnell fest, dass die wenigsten dieser „superinnovativen“ Unternehmen weder die Ersten im Markt („First Mover“) waren, noch das benötigte Know-how und Wissen komplett selbst entwickelt haben. So wurde beispielsweise der Personal-Computer von Xerox erfunden. Kommerzialisiert haben ihn IBM und Apple, später dann auch Dell. Das erste düsengetriebene Verkehrsflugzeug wurde von De Haviland entwickelt („Comet“), im weiteren Verlauf dann aber von Boeing zum Erfolg geführt. Selbst die renommierte Zeppelin-Universität in Friedrichshafen griff bei der Entwicklung eines innovativen Alpin-Skis auf bestehendes Technologiewissen zurück. So ermöglicht ein Gitternetz aus Metallgranulat, welches ursprünglich den Klang von Geigen verbesserte, dass der Ski in der Schussposition nicht unter dem Rennläufer „flattert“[1].

Auch Amazon hat den Buchhandel nicht erfunden, sondern mit der Innovation des Vertriebswegs (eCommerce) ein neues Geschäftsmodell geschaffen. Ebenso Nestlé: das Patent mit der notwendigen Technologie zur Herstellung der Aluminum-Kaffeekapseln wurde bereits in den 1970er Jahren entwickelt, die eigentliche Verwertung in Form des bekannten Nespresso-Geschäftsmodells entstand jedoch erst Jahrzehnte später. Und Apple? Nun, keine der Technologien, die den Grundstein für das iPhone, den iPod und das iPad bilden, wurde von Apple selbst entwickelt, sondern vielmehr aus externen Forschungsprojekten, von Forschungseinrichtungen oder anderen Unternehmen aufgekauft, lizenziert oder zugekauft. Die eigentliche Innovation von Apple besteht in der Schaffung eines geschlossenen Ökosystems aus perfekt integrierter Hard- und Software (z.B. AppStore, iTunes) sowie der radikalen Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit.

[1] https://www.zu-daily.de/daily/index.php

Was können KMU daraus lernen? Man muss den Innovationsgipfel nicht als Erster besteigen. Gerade für KMU bietet es sich an, von den Fehlern der Erstbesteiger (First Mover) zu lernen und bestehende Lösungen und Technologien für ihre Nischenmärkte in Form innovativer Lösungen weiterzuentwickeln.

Unsplash/ Dimitriy Suponnikov

Dadurch verringert sich zum einen das Risiko von Innovationsprojekten, da man weiß, dass eine bestimmte Lösung grundsätzlich am Markt funktioniert und man auf bestehendes Know-how aus der eigenen, aber auch aus fremden Branchen aufbauen kann. Zum anderen kann der Fokus von der physischen Entwicklung eines Produkts vielmehr auf die erfolgreiche Kommerzialisierung neuer Lösungen anhand innovativer Geschäftsmodelle gelegt werden. Diese erfordert weniger hohe finanzielle oder personelle Aufwendungen als vielmehr ein gutes, branchenübergreifendes Innovationsnetzwerk aus Zulieferern, Kunden, Usern, Dienstleistungspartnern und Entwicklungspartnern. Um im Bild zu bleiben: Die richtige „Seilschaft“ ist für den Innovationserfolg von KMU also oft wichtiger, als nur der Erste am Markt zu sein.

 

Im Workshop „Management asymmetrischer Innovationskooperationen“ am 25.11.2020 oder am 10.12.2020 werden wir gemeinsam diskutieren, wie KMU passenden Kooperationspartner finden und Innovationskooperationen koordinieren können. Es gibt noch Plätze – wir freuen uns auf Sie!

FH-Prof. Dr. Oliver Som

FH-Prof. Dr. Oliver Som

Department Wirtschaft & Management, MCI
oliver.som@mci.edu

 

Juliana Pattermann

Juliana Pattermann

Department Wirtschaft & Management, MCI
juliana.pattermann@mci.edu