5 Mythen des Innovationsmanagements – Teil 3

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Haben Sie für Ihr Unternehmen Neujahrsvorsätze getroffen? Vielleicht ist ja einer davon, das mit den nun einsetzenden Impfungen und absehbaren Abflauen der Corona-Krise in diesem Jahr zu nutzen, um Ihr Unternehmen wieder auf Kurs zu kriegen und (noch) innovativer zu werden? Falls ja, dann sind Sie beim DIH West genau richtig. Auch im Jahr 2021 beschäftigten wir uns weiterhin damit, wie wir kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Westösterreich bei der Steigerung ihrer Innovationsfähigkeit unterstützen können.

Gerade im Kontext der Digitalisierung fragen sich viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU), wie sie ihre Innovationsfähigkeit verbessern können. Dabei geht es nicht nur um die Generierung zahlreicher Ideen, sondern auch um die Weiterentwicklung und Realisierung der besten Ideen und Konzepte. Für KMU ist es wichtig zu wissen, dass man auch ohne hoch-komplexe Technologien oder F&E-Ausgaben in Millionenhöhe innovativ sein kann.

Darum möchten wir den gängigsten Mythen rund um das Thema Innovationsmanagement auf den Grund gehen und in einigen kurzen Beiträgen kritisch unter die Lupe nehmen. Dass man nicht immer der Erste am Markt sein muss und, dass auch kleine und mittlere Unternehmen innovieren können, haben wir bereits in den ersten beiden Beiträgen dieser Serie (Mythos 1 / Mythos 2) aufgezeigt.

 

Mythos 3: “Innovationen sind immer high-tech Lösungen”

Viele Unternehmen fokussieren bei der Entwicklung neuer Lösungen primär auf die technologische Exzellenz ihrer Produkte und versuchen, ihre Kunden mit der Masse an Funktionen zu überzeugen. Beispiele für solche Produkte sind etwa Infotainment- und Fahrzeugsteuerungssysteme traditioneller Autohersteller, Smart-TVs, Videorecorder, kombinierte Fax-,Scan-,Kopier- und Telefongeräte, Microsoft Office oder moderne Haushaltsgroßgeräte wie Waschmaschinen oder Mikrowellengeräte. Sie alle bieten häufig Funktionen, die die große Mehrheit der Nutzer niemals brauchen wird.

Es wird dabei häufig übersehen, dass Innovation eben nicht nur neue Produkte, sondern auch andere strategische Gestaltungsfelder umfasst. So umfassten Innovationen auf Unternehmensebene gemäß der neusten Ausgabe des OSLO-Manuals (2018)[1] neben produktbegleitenden Dienstleistungen explizit auch „Geschäftsprozesse“. Hierzu zählen beispielsweise Produktion und Montage, Vertrieb und Logistik, Marketing und Verkauf, Informations- und Kommunikationssysteme, sowie Verwaltung und Management.

Ein tolles Produkt, eine überragende Technologie oder eine erschlagende Funktionsvielfalt alleine reicht somit in der Regel noch nicht für die Erreichung von Wettbewerbsvorteilen. In Zeiten eines zunehmenden Konkurrenzdrucks durch internationale Hersteller wird es stattdessen immer wichtiger, ganzheitlich in Lösungen zu denken:

  • Was will unser Kunde am Ende mit der Nutzung des Produkts erreichen?
  • Wie können wir diesen Nutzen möglichst einfach und zuverlässig sicherstellen?
  • Welche Schwierigkeiten oder Unannehmlichkeiten haben unsere Kunden beim Kauf, der Nutzung, Wartung, Lagerung oder Entsorgung unserer Produkte?
  • Wie können wir diese durch begleitende Services entlang des Produktlebenszyklus, durch eine nutzerfreundliche Bedienung, durch entsprechendes Design oder eine individuelle Preisgestaltung minimieren?
  • Und besonders wichtig im Kontext der Digitalisierung: Wie können wir die hierbei generierten Daten und Informationen nutzen, um den Mehrwert für unsere Kunden weiter zu verbessern?

Überdurchschnittlich innovative Unternehmen verstehen es, durch die Kombination unterschiedlicher Innovationsfelder für ihre Kunden einzigartige Lösungsbündel zu generieren, die genau aufgrund der Verzahnung technischer und nicht-technischer Innovationen kaum von Wettbewerbern imitiert werden können. In der jüngsten Ausgabe des Frankfurther Allgemeine Magazins (Jänner 2021) bringt der Münchner Gestalter Stefan Diez es wie folgt auf den Punkt:  „Ein gutes Produkt ist so wenig Produkt wie möglich.“[2]

So besticht das Unternehmen Hilti eben nicht nur durch die technische Überlegenheit seiner Baumaschinen, sondern bietet seinen Kunden ein umfangreiches Dienstleistungsportfolio bis hin zum kompletten Flottenmanagement. D.h. der Kunde erwirbt nicht mehr die Maschine, sondern bezahlt für die garantierte Verfügbarkeit der benötigten Maschinen auf seiner Baustelle und profitiert durch dieses „Sorglospaket“ in Form geringerer Ausfallrisiken, planbareren Beschaffungskosten, optimierter Prozesskosten oder einer transparenteren Geräteverwaltung.[3] Darüber hinaus werden Kunden beispielsweise auch im Prozess der Digitalisierung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter:innen unterstützt.

Ein weiteres Erfolgsbeispiel ist der österreichische Schokoladenhersteller ZOTTER. Dem Unternehmen gelingt es, sein Nutzenversprechen „Vielfalt“, „Qualität“ und „Nachhaltigkeit“ durch ein Geflecht aus Produktinnovationen (mehr als 360 Sorten), technischen Prozessinnovationen (z.B. Einsatz selbst modizierter Kakaozentrifugen), innovativen Geschäftsprozessen (z.B. langfristige Partnerschaften mit Kakaobauern, die über die Anforderungen des „Fair Trade“ Standards hinausgehen, hohe interne Wertschöpfungstiefe) und Marketinginnovationen (z.B. e-Commerce, individuell-künstlerisch gestaltete Verpackungen) sicherzustellen und kontiuierlich auszubauen.

[1] Das  Oslo-Handbuch der OECD ist die konzeptionell methodische Grundlage der Europäischen Innovationserhebung „Community  Innovation  Survey“ (CIS). Im Oktober 2018 wurde die vierte Auflage des Handbuchs veröffentlicht. Es enthält Beschreibungen und Definitionen des breit gefächerten Phänomens „Innovation“ und Empfehlungen für die statistische Erfassung von Innovation, insbesondere – aber nicht ausschließlich – bei Unternehmen (https://www.oecd.org/science/oslo-manual-2018-9789264304604-en.htm)

[2] Frankfurter Allgemeine Magazin, Januar 2021, S. 31

[3] https://www.hilti.at/content/hilti/E3/AT/de/services/tool-services/fleet-management.html

Was können KMU aus diesem Mythos lernen?

Letztendlich besteht das Geheimnis darin, durch Innovation die Probleme des Kunden zu lösen und einen Mehrwert zu bieten, der genau die Bedarfe und Wünsche des Kunden adressiert. Hierzu ist es nicht notwendig, den Kunden ständig zu fragen – vieler Bedarfe und Probleme sind sich die Kunden gar nicht bewusst – sondern ihn und seine Perspektive zu verstehen.

Wichtig ist ein ganzheitliches Innovationsverständnis, welches nicht nur Produktinnovationen umsetzt, sondern auch Dienstleistungen, neue technische Herstellungsverfahren, innovative Marketing- und organisatorische Lösungen ermöglicht und miteinander vereint. Somit eröffnen sich für KMU zahlreiche Möglichkeiten, um auch ohne High-tech und teuere F&E-Ausgaben Innovationserfolge zu verzeichnen und ihre Kunden an sich zu binden.

Das MCI unterstützt und begleitet seine Partner hierbei mit neuen methodischen Ansätzen des Innovationsmanagements. Im Workshop Programm 2021 werden wir uns auf die Themen Innovationscontrolling, Ideenmanagement und Innovationsmanagement 4.0 konzentrieren. Alle Termine dazu finden Sie unter dem Schwerpunkt „Innovationsmanagement“ auf der DIH West Webseite.

Wir freuen uns auf spannende Workshops und Webinare im Jahr 2021!

FH-Prof. Dr. Oliver Som

FH-Prof. Dr. Oliver Som

Department Wirtschaft & Management, MCI
oliver.som@mci.edu

 

Juliana Pattermann

Juliana Pattermann

Department Wirtschaft & Management, MCI
juliana.pattermann@mci.edu